Hitze als Gesundheitsrisiko: Fachveranstaltung stärkt Hitzeschutz in Pflegeeinrichtungen
26.11.2025Steigende Temperaturen und häufigere Hitzewellen stellen Pflegeeinrichtungen vor wachsende Herausforderungen. Wie Pflegebedürftige und Beschäftigte besser vor hitzebedingten Gesundheitsrisiken geschützt werden können, stand im Mittelpunkt der Fachveranstaltung „Heiße Tage, große Verantwortung – Wie wir Pflegebedürftige schützen können“, die am 26. November 2025 in Brake stattfand.
Ab 10:00 Uhr geben Fachreferent: innen einen Überblick über die Folgen des Klimawandels, gesundheitliche Risiken durch Hitze sowie gesetzliche Grundlagen für Pflegeeinrichtungen.
Zu Beginn wurde deutlich, dass sich der Klimawandel auch in der Region Wesermarsch bereits spürbar auswirkt. Herr Sönke Hofmann zeigte anhand aktueller Daten, dass die Zahl heißer und schwüler Tage deutlich zunimmt. Während es früher nur wenige Tropentage pro Jahr gab, ist künftig mit einer weiteren Zunahme von Hitzeperioden und warmen Nächten zu rechnen. Besonders die Kombination aus hohen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit erhöht die gesundheitliche Belastung erheblich.
Im Beitrag von Frau Larissa Federmann von der Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen Bremen e. V. (LVG & AFS) wurde Hitze als wachsendes Gesundheitsrisiko eingeordnet. Besonders ältere und pflegebedürftige Menschen gelten als vulnerable Gruppe, da zentrale Schutzmechanismen wie Durstempfinden und Temperaturregulation eingeschränkt sein können. Auch Pflegende sind durch Hitze stärker belastet, was sich auf Gesundheit, Konzentration und Arbeitssicherheit auswirkt.
Vorgestellt wurde zudem das Projekt „Wohl.Fühlen – Klima und Gesundheit“, das Pflegeeinrichtungen dabei unterstützt, Hitzeschutzmaßnahmen strukturell im Einrichtungsalltag zu verankern. In praxisnahen Sessions wurden konkrete Maßnahmen wie ausreichende Flüssigkeitsversorgung, angepasste Ernährung, kühlende Pflegemaßnahmen sowie Information und Sensibilisierung von Mitarbeitenden und Angehörigen diskutiert. Deutlich wurde dabei: Hitzeschutz ist eine Gemeinschaftsaufgabe.
Herr Oliver Buff von der Institut für Gefahrenabwehr GmbH berichtete, dass angesichts des Klimawandels und steigender Temperaturen der Hitzeschutz für pflegebedürftige Menschen in Deutschland zunehmend in den Fokus rückt. Mangels eines spezifischen Hitzeschutzgesetzes basieren die Regelungen derzeit auf einer Kombination aus bestehendem Pflege- und Arbeitsschutzrecht sowie neuen Empfehlungen.
Wesentliche Neuerungen und Grundlagen
• Nationale Pläne: Ein aktualisierter Nationaler Hitzeschutzplan (2024) und eine bundeseinheitliche Empfehlung des Qualitätsausschusses Pflege zielen auf den Schutz vulnerabler Gruppen ab.
• Rechtlicher Rahmen: Das Heimgesetz verpflichtet Einrichtungen zur gesundheitlichen Sicherung der Bewohner, was auch Hitzeschutz umfasst. Das SGB XI legt organisatorische Verantwortung bei den Einrichtungsleitungen.
• Konkrete Maßnahmen: Empfohlen werden die Erstellung individueller Hitzeschutzpläne, die Benennung einer verantwortlichen Person, die Nutzung von Hitzewarnsystemen, die Einrichtung von Kühlzonen und die ausreichende Versorgung mit Flüssigkeit.
Diese Entwicklungen betonen die Notwendigkeit von Präventions- und Anpassungsmaßnahmen in Pflegeeinrichtungen, um hitzebedingte Erkrankungen und Todesfälle zu vermeiden.
Workshop-Sessions
Nach den Impulsvorträgen hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit, sich in parallelen Sessions zu vertiefen. In den Sessions wurden konkrete Informationsstrategien für unterschiedliche Zielgruppen erarbeitet:
• Bewohnende und Tagesgäste sollen über gesundheitliche Risiken, Symptome, Medikamentenumgang und alltagsnahe Schutzmaßnahmen informiert werden – persönlich, visuell und in leicht verständlicher Form.
• Angehörige erhalten Überblick über den Hitzeschutzplan der Einrichtung sowie Hinweise, wie sie unterstützend wirken können.
• Mitarbeitende werden durch Schulungen, Checklisten und klare Zuständigkeiten befähigt, Risiken zu erkennen, Maßnahmen umzusetzen und sich selbst zu schützen.
• Externe Akteur: innen wie Ärzt: innen, Apotheken oder Fahrdienste werden kurz und praxisnah über hitzebedingte Anpassungen informiert.
Ergänzt wird dies durch Praxisbeispiele aus dem Projekt „Wohl.Fühlen – Klima und Gesundheit“, darunter Hitzeschutz-Quizformate, Trinkpässe, spielerische Sensibilisierungsangebote, Informationsmaterialien und spezielle Aktionen während Hitzeperioden.
Abschließend wurde auf zahlreiche bundes- und landesweite Informationsangebote, Leitfäden und Handlungsempfehlungen, die Pflegeeinrichtungen bei der Entwicklung und Umsetzung von Hitzeschutzmaßnahmen unterstützen verwiesen. Insgesamt zeigten die Sessions, dass Wissen, klare Kommunikation und gelebte Information entscheidend sind, um Hitzeschutz in der Pflege wirksam und nachhaltig umzusetzen.
Die Veranstaltung endete nach einer Zusammenfassung und Fragerunde um 13:30 Uhr.

